Sherlock Holmes: “Good Morning, Mr. Sobottka. Sie haben mich wieder einmal aus der Fiktion gerufen. Was kann ich für Sie tun?”
Winfried Sobottka: “Good Morning, Mr. Holmes. Wie Sie wissen, habe ich den Teil “Der wahre Mordablauf” noch nicht vollendet. Eigentlich habe ich nur Vorarbeiten gemacht, das Wichtigste fehlt noch…”
Sherlock Holmes: “Die Besucherinnen der Nadine, Ida Haltaufderheide, Jana Kipsieker, Celia Recke, Julia Recke und Janina Tönnes, hätten den Mord nicht wagen können, wenn sie hätten fürchten müssen, die Polizei würde sie als Tatverdächtige behandeln und auch gegen sie ermitteln.
Das heißt letztlich auch, sie hätten den Mord nicht wagen können, wenn sie sich nicht sicher gewesen wären, dass die Polizei einen anderen Täter servieren würde. Hätte die Polizei in dem Falle keinen Täter vorweisen können, dann würde die Bevölkerung dort noch heute in Angst und Panik leben. Hätte die Polizei sagen müssen: “Es gibt absolut keine einzige Spur zu einem Täter”, dann wäre es nur eine Frage der Zeit gewesen, dass den Leuten auch ohne Ihre Veröffentlichungen, Mr. Sobottka, klar geworden wäre, dass die Besucherinnen die Mörderinnen waren.
Das Legen falscher Spuren muss, wenn man von einem überlegten Plan ausgeht, bereits zum Plan gehört haben. Die beste Gelegenheit, falsche Spuren zu legen und sich Gegenstände und das Blut der Nadine für das Türken von Indizien zu besorgen, war der Mord selbst.”
Winfried Sobottka: “Ähm… so weit war ich auch schon….. Aber die Rolle der Nadine Kampmann, mit der Philip gegen 0.00 Uhr, dann wieder gegen 0.42 Uhr SMS- oder Handy-Kontakt hatte….”
Sherlock Holmes: “Sie muss zwingend eine Rolle gespielt haben. Stellen Sie es sich doch einmal vor, was gewesen wäre, wenn Philip rundum ein Alibi gehabt hätte, während die Polizei seine DNA an einem Lichtschalter gefunden hatte. Dann wären die Mädchen doch garantiert dran gewesen.
Es musste also sicher gestellt werden, dass Philip für eine hinreichende Zeitspanne zwischen dem Zeitpunkt, an dem die Besucherinnen das Haus verlassen hatten, und dem Zeitpunkt, an dem Nadines Eltern zurückkehrten, erstens kein Alibi haben konnte, zweitens möglichst zum Haus der Nadine fahren und dort möglichst auch Spuren hinterlassen würde. Kluge Planung musste das berücksichtigen.”
Winfried Sobottka: “Zweifellos, es wäre für die Mörderinnen ein erhebliches Problem geworden, wenn Philip ein Alibi gehabt hätte. Nadine Kampmann war oder ist übrigens Mannschaftskollegin von Julia Recke und Celia Recke, und außerdem kann ich es mir gut vorstellen, dass sie einem in Sachen Liebe zu kurz gekommenen jungen Mann spielend den Kopf verdrehen konnte:”
Sherlock Holmes: “Ich kann mir alles vorstellen, was möglich sein kann. Die Tatsachen sind: Man musste unbedingt dafür sorgen, dass Philip kein durchgehendes Alibi haben würde. Zweitens war es als vorteilhaft anzusehen, wenn er sich möglichst in Tatortnähe aufhielt und dabei möglichst auch Spuren hinterließ, je näher am Tatort und je deutlicher die Spuren, desto besser. Philip musste vorübergehend im Sinne der Mörderinnen und ihrer Hinterleute geleitet werden. Wer hätte das besser tun können als die junge Frau, die er begehrte, die ihn aber nicht wollte? “
Winfried Sobottka: “Mr. Holmes, ist einem Mädchen wie der Nadine Kampmann so etwas zuzutrauen?”
Sherlock Holmes: “Mr. Sobottka, nach Lage der Fakten kann nur sie den Philip geleitet haben.”
Winfried Sobottka: “Sarah Freialdenhoven schob ihm getürkte Indizien unter, Nadine Kampmann leitete ihn nach dem Mord so, dass er kein Alibi haben konnte, veranlasste ihn vermutlich, zum Mordhaus zu fahren und dort Wendespuren zu hinterlassen … Von Frauen dürfte Philip die Nase vermutlich voll haben… Wie ist es gelaufen?”
Sherlock Holmes: “Auch das Leiten des Philip musste vorbereitet gewesen sein, man hatte nicht hoffen dürfen, dass Philip um 0.00 Uhr allein sein würde, sondern musste dafür sorgen, dass er allein sein würde. Ich nehme daher an, dass Nadine Kampmann ihm ein Treffen zu dieser Zeit in Aussicht gestellt hatte, und hinsichtlich dieses anvisierten Treffens seine Motivation maximiert haben dürfte. Keine Frage: Wenn ein junger Mann lange Zeit hinter einem Mädchen her läuft, das sich ihm aber verweigert, dann ist er von ihr sehr leicht dahin zu bringen, sich Zeit für ein Rendezvous zu nehmen, von dem er sich viel verspricht. Was sie ihm genau erzählt haben wird, darüber kann nur spekuliert werden.”
Winfried Sobottka: “Können Sie eine mögliche Variante schildern?”
Sherlock Holmes: “Nehmen wir einmal an, sie hätte ihm schon ein paar Tage vorher gesagt: “Du, Deine Eltern sind doch im Urlaub. Da könnte ich am Wochenende doch bestimmt bei Dir schlafen?” – hätte er dann “Nein!” gesagt? Sicherlich nicht. Er hätte sich darauf eingerichtet. Nehmen wir weiterhin an, Nadine Kampmann hätte ihm am Samstag eine SMS geschickt, dass sie erst ab 24.00 Uhr frei sei, vorher irgendetwas anderes zu tun habe. Dann hätte Philip sich auf 24.00 Uhr eingerichtet.
Nehmen wir ferner an, Nadine Kampmann hätte ihm ein oder zwei Stunden vorher zu verstehen gegeben, sie habe sich dem Besuch bei der Nadine Ostrowski angeschlossen, ob Philip sie nicht gegen 0.00 Uhr dort abholen könne. Was hätte Philip dann getan? Er hätte alles so geplant, dass er problemlos um 0.00 Uhr dort am Haus hätte sein können. Freunde, die Philip am Samstag besuchten, verließen ihn bis 22.30 Uhr. Hatte Philip sie nach Hause geschickt, weil er ein Date mit Nadine Kampmann wahrnehmen wollte?
Nehmen wir das einfach einmal so an. Philip ist um 0.00 Uhr schon in der Nähe des Hauses der Nadine, und über SMS-Kontakt teilt Nadine Kampmann ihm mit, dass sie noch zur Toilette gehen müsse, anschließend werde sie herauskommen, Philip solle aber bitte nicht schellen.
Philip fährt nah an das Haus heran, parkt, bleibt entweder im Auto sitzen, oder steigt irgendwann aus, um sich das Haus von allen Seiten anzusehen. Fast alle Lichter brennen, ein Fernseher läuft, doch Außen ist nichts zu hören, von Außen niemand zu sehen. Philip denkt aber, Nadine Kampmann sei in dem Haus, und werde gleich zu ihm kommen, ahnt nicht, dass sich in dem Haus die brutal gemetzelte Leiche der Nadine Ostrowski befindet, sonst aber niemand.
Philip wartet eine halbe Stunde, dann ist es für ihn Gewissheit, dass Nadine Kampmann ihm einen bösen Streich gespielt hat, auch wenn ihm nicht klar sein konnte, wie böse. Er ist zutiefst getroffen und enorm wütend – die über Tage gehegten Hoffnungen schlagartig geplatzt, stattdessen eine eiskalte Gefühlsdusche.
Er denkt an nichts anderes, dreht sein Auto irgendwo mit Schmackes, und fährt mit Vollgas und womöglich quietschenden Reifen los.
Um 0.42 Uhr hat er sich dann durchgerungen, Nadine Kampmann per SMS zu kontaktieren. Um 0.43 Uhr war er bereits anderweitig am Chatten und jedenfalls zu Hause.”
Winfried Sobottka: “Was wäre, unterstellt, es hätte sich so abgespielt, gewesen, wenn Philip das der Polizei erzählt hätte?”
Sherlock Holmes: “Nadine Kampmann hätte alles abgestritten, hätte abgestritten, mit Philip mehr als “Belanglosigkeiten” ausgetauscht zu haben, und die Polizei hätte ihn ausgelacht.”
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http://die-volkszeitung.de/belege/mord-nadine-ostrowski/MORD-NADINE-OSTROWSKI-01.HTM
Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka
