Sherlock Holmes: “Good Evening, Mr. Sobottka. Sie nehmen die Aufklärung des ungeheuerlichen Staats- und Gesellschaftsverbrechen im Mordfall Nadine Ostrowski erkennbar sehr ernst:
doch Ihnen ist noch nicht alles klar, was Planung und Tatablauf angeht…”
Winfried Sobottka: “Good Evening, Mr. Holmes. Zum Glück stehen Sie mir als Inspirationsquelle und Medium zur Verfügung… Also: Zeugen konnte man zu keinem Zeitpunkt gebrauchen, insofern war der einsam gelegene Tatort ideal. Dass man dafür sorgen musste, dass derjenige, den man als Vorzeige-Mörder auserwählt hatte, kein durchgehendes Alibi haben konnte, ist auch klar. Was noch nicht ganz klar ist: Um 23.45 Uhr soll die letzte Besucherin der Nadine das Haus verlassen haben, ab etwa 0.05 bis 0.10 Uhr soll Philip im Haus gewesen sein, bis ca. 0.30 oder 0.35 Uhr, dann um1.30 sollen Nadines Eltern von einer Party zurückgekehrt sein.
Das sieht alles sehr eng geplant aus, wenn Nadine Kampmann den Philip um 0.00 Uhr zum Haus der Ostrowskis gelotst haben soll:
Was wäre gewesen, wenn Philip den Eltern der Nadine noch begegnet wäre?”
Sherlock Holmes: “Knapp erscheint nur der Abstand zwischen dem Zeitpunkt, an dem die letzte Besucherin das Haus verlassen haben soll, und dem Zeitpunkt, an dem Philip am Haus gewesen sein könnte. Man kann es so sehen: Nachdem man gemordet hatte, blutige Fußspuren mit Wasser getilgt, den Lichtschalter mittels einer Zigarettenkippe mit Philips DNA kontaminiert hatte, ein wenig Blut von der Leiche mit einer Einwegspritze aufgenommen und diverse Gegenstände eingepackt hatte, sah man zu, dass man möglichst schnell fortkam, und nachdem man fort war, wurde Philip möglichst umgehend zum Tatort geleitet.
Eine Begegnung Philips mit den Eltern der Nadine wollte man nicht, aber da Philip bereits um 0.43 Uhr jedenfalls bei sich zu Hause war, Nadines Eltern erst um 1.30 Uhr zurückkehrten, war ja ein reichlicher Zeitabstand gegeben.
Die Frage ist, wie man auf den Fall eingerichtet war, dass die Eltern frühzeitig hätten zurückkehren wollen. Dafür gibt es eine ganze Fülle an Möglichkeiten. Mit hoher Warhrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass zumindest eine Person bei der Party anwesend war, die es sofort per SMS meldete, als Nadines Eltern losfuhren, und die ggf. auch versucht hätte, Nadines Eltern geschickt zu überreden, länger zu bleiben, falls sie aus Sicht der Mörder zu früh hätten aufbrechen wollen.
Im ungünstigsten Falle hätte man sogar einen Bagatellunfall produzieren können, um Nadines Eltern auf dem Heimweg noch aufzuhalten, für mindestens eine Stunde. Fünf Mädchen haben gemordet, zwei weitere Mädchen den Philip geleimt und ihm Mordindizien untergejubelt – der Kreis der Beteiligten dürfte damit bei weitem nicht abgeschlossen sein, wie Sie ja auch betreffend KHK Thomas Hauck anmerken:
Man hat sich sehr viel Mühe gemacht, und man hat sehr vieles bedacht, sonst hätte es kaum klappen können.”
Winfried Sobottka: “Mr. Holmes, was spricht dafür, dass die letzte Besucherin tatsächlich erst um 23.45 Uhr das Haus verließ?”
Sherlock Holmes: “Ich sehe nur einen möglichen Grund: Ein möglichst später Todeszeitpunkt der Nadine Ostrowski, damit es in dem Falle, dass doch eine Todeszeitpunktsbestimmung vorgenommen worden wäre, nicht hätte auffallen können, dass der Mord bereits vor der Zeit, in der Philip dort gewesen sein soll und möglicherweise sogar am Haus war, geschehen war.
Was wäre denn, wenn beim Auffinden der Leiche die notwendigen Messungen für eine Todeszeitpunktbestimmung gemacht worden wären, wenn dann nach bester Methodik analysiert worden wäre, das Ergebnis aber dann heißen würde: “Vermutlicher Todeszeitpunkt 0.00 Uhr, plus/minus 30 Minuten”?
Für eine Entlastung Philips würde das nicht reichen. Hätte man Nadine aber schon um 21.00 Uhr getötet, dann hätte eine bestmögliche Todeszeitbestimmung das Ergebnis ergeben, dass sie schon am 19.08. gestorben war.”
Winfried Sobottka: “Sie gehen davon aus, dass man solange am Tatort geblieben sei, wie im Gesamtszenario möglich, um Nadine so spät wie möglich zu morden?”
Sherlock Holmes: “Der Mord war teuflisch geplant, von langer Hand und durchaus umsichtig. Man wird getan haben, was man tun konnte.”
Winfried Sobottka: “Nadine wäre wohl auch an den Folgen der Drosselung gestorben, wenn man ihr keine Stichwunden zugefügt hätte. Drosselung und Stichverletzungen erst kurz vor 23.45 Uhr, während sie vermutlich schon sehr früh überwältigt und fixiert worden war?
Sherlock Holmes: “Ich nehme es an.”
Winfried Sobottka: “Dann hätte sie womöglich drei Stunden oder länger auf ihren Tod gewartet?”
Sherlock Holmes: “Das wäre dann so gewesen.”
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http://die-volkszeitung.de/belege/mord-nadine-ostrowski/MORD-NADINE-OSTROWSKI-01.HTM
Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka